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Prokletije
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top
p5
Das Prokletije (serbisch-kyrillisch ĐŃĐŸĐșлДŃĐžŃĐ”, zu Deutsch âVerwunschene Bergeâ; respektive Nordalbanische Alpen,cite-ref-2[2] oder Albanische Alpen; albanisch Alpet Shqiptare) ist ein Gebirgsmassiv der SĂŒdostdinariden in Nordalbanien, im westlichen Kosovo und im östlichen Montenegro, das durch tief eingeschnittene TĂ€ler in einzelne Gebirgsstöcke gegliedert ist. Es bildet den sĂŒdlichen querliegenden Abschluss der Dinarischen Ketten und ist zugleich dessen höchster Teil.
Das stark verkarstete und von vielfĂ€ltigen Glazialspuren gezeichnete Prokletije gipfelt in der Jezerca mit einer Höhe von 2694 m ĂŒ. A. ZerklĂŒftete Karlinge mit hochalpinen SteilwĂ€nden und breite, von Gletschern geformte TrogtĂ€ler geben dem Gebirge einen alpinen Eindruck, wie er sonst auf der Balkanhalbinsel kaum anzutreffen ist.cite-ref-3[3]cite-ref-geom-4-0[4]
Der zweithöchste Gipfel des Prokletije ist die aus Silikatgesteinen aufgebaute Gjeravica (2656 m. i. J.), die zugleich der höchste Berg im Kosovo ist. Die Zla Kolata (albanisch Kollata e Keqe) auf der albanisch-montenegrinischen Grenze ist mit 2534 m. i. J. der höchste Gipfel Montenegros.
Contents
âą Wortherkunft
âą Lage und Relief
⹠Malësia e Madhe
âą Dukagjin
âą Geologie
âą Klima
âą Biogeographie
âą Fauna
âą Naturschutz
âą Landwirtschaft
âą Tourismus
âą Verkehrswege
âą Geschichte
âą Mittelalter
âą TĂŒrkenzeit
âą Kulturgeschichte
âą Brauchtum
âą Literatur
âą Weblinks
âą Anmerkungen
âą Einzelnachweise
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Wortherkunft
Die Toponomastik des Gebirges ist durch zwei Besonderheiten geprĂ€gt. Zum einen sind es die einheimische Bezeichnungen Prokletije und BjeshkĂ«t e Nemuna, die beide in deutscher Ăbersetzung Verfluchtes oder Verbotenes Gebirge bedeuten, die als etymologische Ambivalenz der morphographischen UnzugĂ€nglichkeit im Relief sowie den frĂŒheren soziohistorischen und -kulturellen Umstand wiedergeben: Das Gebirge wurde ehemals von patrilinearen StammesverbĂ€nden beherrscht,cite-ref-5[5] in der sich bis ins 20. Jahrhundert keine staatliche Ordnung durchsetzen konnte, sondern das Gewohnheitsrecht des Kanun mit der Blutrache als hĂ€rteste Sanktion galt. Gebietsfremden blieb das Gebirge, auch wegen tĂŒrkischer Reiseverbote,cite-ref-6[6] lange verwehrt. Zum anderen war das Prokletije die sprichwörtliche Terra incognita, eine ânamenloseâ Landschaft in Europa, die lange der wissenschaftlichen und kommunikativen Durchdringung harrte und dadurch toponomisch nicht prĂ€zise erfasst war. FĂŒr das bedeutende Gebirge waren im Europa des 19. Jahrhunderts entweder nur die klassischen geographischen griechischen Toponyme oder vage osmanische Bezeichnung bekannt. Dadurch bedienten sich Kartografen bald eines Kunstnamens.
VollstĂ€ndig wurde es erst im 20. Jahrhundert kartografisch, morphographisch und ethnografisch erforscht.cite-ref-7[7] Wegen wiederkehrender Unruhen und Kriegen, der zwischenstaatlichen Grenzziehung, mangelnder ErschlieĂung sowie strikten BewegungsbeschrĂ€nkungen nach dem Zweiten Weltkrieg in der Sozialistischen Volksrepublik Albanien war es im zentralen Teil bis Ende des 20. Jahrhunderts fĂŒr westeuropĂ€ische Wissenschaftler mehrheitlich unzugĂ€nglich. So dauerte es beispielsweise bis ins Jahr 2000, ehe die Hochgebirgsflora der Jezerca durch den slowenischen Botaniker Tone Wraber erstmals wissenschaftlich erfasst werden konnte.cite-ref-8[8]
Der ptolemĂ€ische Name des Prokletije, Mons Bertiscus, ist die Ă€lteste schriftliche ErwĂ€hnung.cite-ref-9[9]cite-ref-10[10] Bertiscus ist bis heute die fachsprachliche Bezeichnung des Gebirges und wird als Epitheton in der Form bertiscae fĂŒr endemische Arten oder Arten, die ihren locus classicus in diesem Gebirge besitzen, verwendet (beispielsweise Valeriana bertiscae, Crepis bertiscae, Iris bertiscae).cite-ref-11[11] August Grisebach nutzte noch 1839 fast durchgehend den ĂŒberlieferten lateinischen Namen Bertiscus fĂŒr Gebirge nördlich des Drin und westlich von Peja.cite-ref-12[12] Nur kurz erwĂ€hnte er im 13. Kapitel des Zweiten Bandes den Begriff âAlbanische Alpenâ. Alte, auf dem Balkan weit verbreitete Namen, die auch mit dem Prokletije verbunden wurden, sind nach Grisebach und PanÄiÄ die osmanischen Bezeichnungen âKaradagâ und âKurbeta planinaâ.cite-ref-13[13] Diese Gebirgstoponyme der Balkan-Morphographie finden sich zahlreich in den Beschreibungen der ersten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts, bieten aber zumeist nur eine vage Vorstellung. Ami BouĂ© konnte 1840 in La Turquie dâEurope fĂŒr das Gebirge noch kein allgemeines Toponym angeben.cite-ref-14[14] Bei François Pouqueville (1820) wurde der weitere Landstrich als Lacoulac und Arnaoutlik bezeichnet.cite-ref-15[15]
Im Deutschen und in diversen anderen Sprachen wird neben Prokletije hĂ€ufig der Kunstname Nordalbanische Alpencite-ref-16[16] und seltener Albanische Alpencite-ref-17[17] verwendet. Nach Jovan CvijiÄ entstammte der Begriff Kartenlegenden der Darstellung der Balkanhalbinsel, die in Europa gedruckt wurden. Jedoch war das Gebiet selbst auf der amtlichen Karte des k.u.k. MilitĂ€rgeografischen Institutes Wien Ende des 19. Jahrhunderts nur schematisch dargestellt. Auch bei einigen englischen Geographen bĂŒrgerte sich der Begriff âNordalbanische Alpenâ ein.cite-ref-geom-4-1[4]cite-ref-18[18] Erst mit der intensiven, von strategischen Gesichtspunkten geleiteten Erkundung Albaniens durch die k.u.k. Armee im Ersten Weltkrieg wurden die letzten kartographischen LĂŒcken geschlossen.cite-ref-19[19]
Der Zusatz Nord- wird im Albanischen nicht verwendet, hingegen findet sich dort in nichtwissenschaftlichen Texten auch die Bezeichnung Alpet e veriut (Alpen des Nordens). Im Italienischen und dem Französischen existiert kein Verweis auf die Himmelsrichtung (Alpe albanese, Alpes albanaises). WĂ€hrend sich in Expeditionsberichten des Deutschen und Ăsterreichischen Alpenvereins aus dem Jahr 1931 noch der Begriff Nordalbanisches Gebirge findet, hatte sich schon wenige Jahre spĂ€ter bei den Berichten von Bergsteigerexpeditionen ins Gebiet der Name Nordalbanische Alpen durchgesetzt.cite-ref-zd-a-20-0[20]cite-ref-lattmann-21-0[21]cite-ref-leutelt-22-0[22]
Gliederung des Prokletije
Lage und Relief
Das Prokletije bildet ein rund 40 Kilometer breites von SĂŒdwest nach Nordost vom Skutarisee ĂŒber 90 Kilometer entlang der montenegrinisch-albanischen und montengrinisch-kosovarischen Grenze bis nach Peja resp. Istog in Kosovo respektive RoĆŸaje in Montenegro streichendes, meridional zwischen 42°45âČ und 42°15âČ N liegendes Massiv in der subtropischen Zone der westlichen Balkanhalbinsel.cite-ref-albakademie-1-1[1]cite-ref-unep-23-0[23]cite-ref-snv-24-0[24]cite-ref-zd-av-25-0[25] Die SĂŒdgrenze des Prokletijes wird vom Fluss Drin und seinem Zufluss Valbona gebildet.cite-ref-albakademie-1-2[1] Das eigentliche Hochgebirge umfasst die zentralen Bereiche mit einer Ausdehnung von rund 20 auf 25 Kilometer.cite-ref-leutelt-22-1[22]
Die GebirgszĂŒge bis Mitrovica mit Hajla und Mokra Gora zĂ€hlen zu den Ă€ussersten Teilen des Prokletije.cite-ref-cvijic1924-26-0[26]cite-ref-milojevic-27-0[27] Andere Autoren sehen hingegen bereits im Lim oder noch etwas sĂŒdlicher, wo eine Zone mit Schiefergestein beginnt, die geologische Nordgrenze des Prokletije.cite-ref-louis-28-0[28]cite-ref-zd-av-25-1[25]
Die Kalktafel des Prokletijes wird durch tief eingeschnittene TĂ€ler, die von allen Seiten dem Zentrum zustreben, in mehrere mĂ€chtige Gebirgsklötze zerteilt wie die BjeshkĂ«t e Namuna nördlich des PĂ«rroi i ThatĂ«, die Biga e Gimajive sĂŒdlich davon,cite-ref-29[Anmerkung 1] der Jezerca-Block zwischen Shala- und Valbona-Tal, dem Gebirgsstock der Maja e Hekurave sĂŒdlich des Valbona-Tals, das Plateau der Kollata nördlich der Valbona oder des ShkĂ«lzen nordöstlich der Valbona. Ein mĂ€chtiger Einschnitt bestehend aus Shala-Tal sĂŒdlich und Runica-Tal nördlich des Passes Qafa e PejĂ«s (1710 m ĂŒ. A.) teilt das Gebirge in eine West- und eine OsthĂ€lfte.cite-ref-zd-av-25-2[25]
Die TĂ€ler wurden durch eiszeitliche Gletscher zu ausgeprĂ€gten TrogtĂ€lern geformt, die sich durch sehr steile WĂ€nde und Kesseln im obersten Abschnitt mit bis zu 1000 Metern Tiefe auszeichnen.cite-ref-louis-28-1[28] Die SĂŒdwand des Arapi gilt mit 800 Metern als höchste Felswand der Balkanhalbinsel.cite-ref-30[29] 13 Bergspitzen sind höher als 2500 m ĂŒ. A.cite-ref-enciklopediau-31-0[30]
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Hauptartikel
:
Liste von Gipfeln des Prokletije
Das Prokletije ist aufgrund ethnographischer und soziologischer Grundlagen in zahlreiche Regionen gegliedert. Mit den Namen der verschiedenen StĂ€mme â Hoti, Gruda, KĂ«lmendi, Kastrati, Dukagjini, Shkreli, Shala, Nikaj, Krasniqi, Gashi â werden so ihre geographischen LebensrĂ€ume bezeichnet.
Daneben lĂ€sst sich das Gebirge aufgrund geologischer Grundlagen in die folgenden Gebiete gliedern, die sich zum Teil ĂŒberlappen oder Teile ĂŒbergeordneter Regionen sind:
Bjeshkët e Nemuna
BjeshkĂ«t e Nemuna (zu Deutsch: Verwunschene Berge) bezeichnet einerseits eine rund zwölf Kilometer lange Reihe von Bergen nordwestlich von Theth, die sich durch besonderen Wassermangel, schroff-karstige Landschaft und Menschenleere auszeichnen. Das Massiv liegt zwischen den TĂ€lern des PĂ«rroi i ThatĂ« im SĂŒden, demjenigen des Cem im Nordwesten und der Shala im Osten.
Zur BjeshkĂ«t e Nemuna zĂ€hlen 42 Bergspitzen mit einer Höhe ĂŒber 2000 Metern, weitere 22 Spitzen sind höher als 2300 Meter und fĂŒnf höher als 2500 Meter.cite-ref-albakademie-1-3[1]cite-ref-geopark-32-0[31]cite-ref-kelmendrag-33-0[32] Die Radohima (2568 m ĂŒ. A.) als höchste Erhebung dominiert den Ostteil mit mehreren Nebengipfeln. Weitere hohe Gipfel sind die Maja e ShĂ«nikut (2553 m ĂŒ. A.), die Maja e Risklit (2496 m ĂŒ. A.), der Arapi (2217 m ĂŒ. A.), die Maja e Prozhmit (2452 m ĂŒ. A.), die Maja e Langojve (2525 m ĂŒ. A.) und die Spitzen des Karanfili (2490 m. i. J.), der bereits nördlich der Grenze in Montenegro liegt. Typisch fĂŒr die zerklĂŒftete und zerkarstete Bergwelt der BjeshkĂ«t e Nemuna ist die Landschaft des Glaziokarstes. AuffĂ€llig sind insbesondere groĂe Depressionen. In solchen geschlossenen âPaleodolinenâ groĂer glazialer Tröge finden sich Kleinformen des Glaziokarstes: Karren, Sackungsdolinen, SchĂ€fte und Schichttreppen.cite-ref-leutelt-22-2[22] Die Landschaft des Glaziokarstes gehört ĂŒberwiegend dem Nackten Karst an, anstehendes Gestein dominiert. Dazwischen liegen jedoch immer auch Bereich des bedeckten Karstes, auf denen sich eine geschlossene Bodenschicht ausgebildet hat.
Entgegen der zumal anzutreffenden Behauptung ist BjeshkĂ«t e Nemuna somit nicht die albanische Bezeichnung fĂŒr das ganze Gebirge, obwohl es die wörtliche Ăbersetzung von Prokletije ist.
Bjeshkët e Nemuna të Kosovës
Mit BjeshkĂ«t e Nemuna tĂ« KosovĂ«s (zu Deutsch: Verwunschene Berge Kosovos) wird der Begriff andererseits auch fĂŒr die Berge in Westkosovo entlang dessen Grenzen zu Albanien und Montenegro verwendet. Diese bilden den östlichen Abschluss des Prokletije. Im Gegensatz zu den zentralen Teilen, wo offener, unbewaldeter Kalkfelsen und tief eingeschnittene TĂ€ler die Landschaft prĂ€gen, sind hier auch die hohen Gipfel weniger felsig, grĂŒner und meist etwas weniger steil.
Zu den höchsten Gipfeln in dieser Region zĂ€hlen die Gjeravica (2656 m. i. J.; serbisch Äeravica), die Maja e RopĂ«s (2502 m. i. J.; auch Rops) und der MarijaĆĄ (2530 m. i. J.; albanisch Marijash).cite-ref-albakademie-1-4[1] Die Gjeravica ist der höchste Berg Kosovos und befindet sich keine zwei Kilometer innerhalb kosovarischen Gebiets unweit der TromeÄa (2366 m. i. J.; albanisch Trekufiri), dem DreilĂ€ndereck mit Albanien und Montenegro. Es werden mehrere Untergebiete und Massive unterschieden wie Rugova und Lumbardh im nördlichen Bereich, im Nordosten Strellc und Koprivnik mit dem Veternik (2461 m. i. J.) als höchste Erhebung, die BogiqevicĂ« im sĂŒdlichen Grenzgebiet zu Montenegro, die Mokna/Bjeshket e Mokne nördlich an der Grenze zu Montenegro in den Grossgemeinden Peja und Istog und die Berge von Junik und Deçan im SĂŒdosten.
In den Bjeshkët e Namuna të Kosovës gibt es diverse kleinere Bergseen, so zum Beispiel der Gjeravica-See und der Zemra-See an der Gjeravica sowie der Leqinat-See in Rugova auf kosovarischem Gebiet und die Gruppe der Sylbica-Seencite-ref-sylbica-34-0[33] im Norden Tropojas in Albanien.
Malësia e Madhe
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Hauptartikel
:
Malësia e Madhe
MalĂ«sia e Madhe (zu Deutsch: GroĂes Bergland) ist der Name des westlichen Teils des Prokletijes, der zum Shkodrasee entwĂ€ssert wird und vor allem die TĂ€ler des Cem und des PĂ«rroi i ThatĂ« umfasst. Dazu gehören die heutige albanische Gemeinde MalĂ«sia e Madhe (30.823 Einwohner gemÀà VolkszĂ€hlung 2011)cite-ref-instatsh2011-35-0[34] sowie einige nördlich angrenzenden Gebiete in SĂŒdmontenegro bis Tuzi.
Die Region ist traditionell mehrheitlich von Katholiken bewohnt. Im Kanun zÀhlen hierzu die Gebiete der StÀmme Hoti, Gruda, Kastrati und Kelmendi.cite-ref-elsie-36-0[35] Albanische Geographen bezeichnen sie zum Teil auch als Westliche Alpen (Alpet perëndimore). Die höchsten Berge sind diejenigen der Bjeshkët e Namuna.cite-ref-albakademie-1-5[1]cite-ref-nopcsa-37-0[36]
Malësia e Vogël
Die angrenzenden Ăstlichen Alpen (Alpet lindore) werden auch als MalĂ«sia e VogĂ«l (zu Deutsch: Kleines Bergland) und MalĂ«sia e GjakovĂ«s (zu Deutsch: Bergland von Gjakova) bezeichnet. Die MalĂ«siae VogĂ«l umfasst die nördlichen und westlichen Teile der Gemeinde Tropoja (20.517 Einwohner gemÀà VolkszĂ€hlung 2011)cite-ref-instatku2011-38-0[37], im Osten reicht sie bis zum Rand der kosovarischen Ebene Rrafsh i Dukagjinit westlich von Gjakova. Die höchsten Gipfel sind hier die Jezerca (2694 m ĂŒ. A.), die Maja Grykat e HapĂ«ta (mit 2625 m ĂŒ. A. der dritthöchste Gipfel des Gebirges), die Maja e Hekurave (2559 m ĂŒ. A.), die Maja e KollatĂ«s (2552 m ĂŒ. A.) mit dem Nebengipfel Zla Kolata (2538 m. i. J.), die Maja Rosit (2528 m ĂŒ. A.) und der ShkĂ«lzen (2407 m ĂŒ. A.).cite-ref-albakademie-1-6[1] Vom Jezerca-Massiv im Westen der MalĂ«sia e VogĂ«l zieht sich ein die Grenze zu Montenegro bildender Gebirgskamm nach Osten, der in Albanien als Kollata, in Montenegro als BeliÄ-Gruppe bezeichnet wird.cite-ref-albakademie-1-7[1]cite-ref-zd-av-25-3[25] Ganz im Osten erhebt sich das ShkĂ«lzen-Massiv, sĂŒdlich des Valbonatals der mĂ€chtige Gebirgsstock der Maja e Hekurave. Im Nordosten geht es in die BjeshkĂ«t e Namuna tĂ« KosovĂ«s ĂŒber.
Wichtige FlĂŒsse sind die Valbona, ihre NebenflĂŒsse Gash und Bistrica und der Curraj-Bach am SĂŒdrand. Auch die Stadt Bajram Curr und das Dorf Tropoja, das historische Zentrum, gehören zu diesem Gebiet.
Dukagjin
Das sĂŒdlich und östlich zur MalĂ«sia e Madhe angrenzende Bergland, das zum Drin hin entwĂ€ssert wird, wird ethnographischen Kriterien folgend Dukagjin (MalĂ«sia e Dukagjinit) genannt.cite-ref-albakademie-1-8[1]cite-ref-stammesleben-39-0[38]cite-ref-kaser-40-0[39] Es gehört heute mehrheitlich zur Gemeinde Shkodra. Das Dukagjin umfasst ein 814 Quadratkilometer groĂes Gebiet, das in etwa ein Dreieck bildet zwischen dem Jezerca-Block im Norden, dem Berg Maranaj (1576 m ĂŒ. A.) im SĂŒdwesten und dem Koman-Stausee im SĂŒdosten. Ein bedeutender Berg ist die Biga e Gimajve (2231 m ĂŒ. A.) an der Grenze zur MalĂ«sia e Madhe. Die wichtigsten TĂ€ler sind diejenigen des Kir und der Shala, deren Unterlauf Leshnica hieĂ, bis er vom Koman-Stausee ĂŒberschwemmt wurde. Zwischen Kir- und Drin-Tal erhebt sich das Cukali-Massiv (Maja e Meqithit, 1734 m ĂŒ. A.), das sich geologisch aber vom Karst im Norden abhebt.
Im Kanun wird mit Dukagjin das Gebiet der StÀmme Shala, Shoshi, Nikaj, Dushamani und Merturi bezeichnet.cite-ref-elsie-36-1[35]
Verwechslungsgefahr besteht mit zwei anderen Gebieten, die den gleichen Namen tragen: Einerseits heiĂt Metochien, der Westteil Kosovos, auf Albanisch Rrafsh i Dukagjinit. Andererseits gab es zu historischen Zeiten das Gebiet der FĂŒrsten Dukagjini und den Sandschak Dukagjin, die im Bergland sĂŒdlich des Prokletijes und des Drins lagen.cite-ref-stammesleben-39-1[38]cite-ref-gjeta-41-1[40]
Nordöstliche AuslÀufer
Im Nordosten werden auch die Gebirge im Grenzgebiet zwischen Kosovo, Montenegro und Serbien jenseits der Rugova-Schlucht ĂŒber die MĂŒndung des Drin und das Gebiet der Gemeinden Istog im Kosovo und Rozaje in Montenegro bis Mitrovica zum Prokletije gerechnet. Hierzu zĂ€hlen insbesondere die Massive Hajla, Ćœljeb und Mokra Gora.
Die Hajla liegt im Ă€uĂersten Westen Kosovos nördlich des Tals der PeÄka Bistrica, die sich hier durch die Rugova-Schlucht einen Weg nach Osten bahnt. Das Massiv gipfelt im gleichnamigen Gipfel auf 2403 m. i. J. Die kosovarisch-montenegrinische Grenze quert die höchsten Gipfel. Im Norden auf der montenegrinischen Seite entspringt der Fluss Ibar. Im kosovarischen Dorf Boga, das auf rund 1400 Meter am FuĂ der Hajla liegt, stehen Wintersportlern Skilifte zur VerfĂŒgung.cite-ref-42[41]
Der Grenze nach Osten folgend, schlieĂt sich an die Hajla das Ćœljeb-Massiv an. Es liegt nördlich von Peja. Der höchste Gipfel Rusulija (2381 m. i. J.) liegt etwas sĂŒdlich der Grenze.
Weiter im Nordosten liegen die Mokra Gora. Der höchste Punkt ist der Pogled (2154 m. i. J.) auf der Grenze zwischen Kosovo und Serbien. Wenig westlich liegt der Beleg (2142 m. i. J.) auf der Grenze zwischen Kosovo und Montenegro â dazwischen liegt der DreilĂ€nderpunkt.
KuÄka Krajina und Komovi
Die Zuordnung der KuÄka Krajina zum Prokletije ist umstritten, liegt sie doch im Ăbergang zum montenegrinischen Hochkarst.cite-ref-43[42] Diese Berge, zu denen der Surdup (2184 m. i. J.), der Stitan (2165 m. i. J.), Ćœijevo (2131 m. i. J.) und MagliÄ (2142 m. i. J.) zĂ€hlen, liegen in Montenegro wenig westlich der Grenze zu Albanien zwischen Lim, Tara und MoraÄa.
Der nördlich an die KuÄka Krajina angrenzende Komovi-Gebirgsstock mit KuÄki Kom (2487 m. i. J.), LjevorijeÄki Kom (2469 m. i. J.) und Vasojevicki Kom (2460 m. i. J.) als höchste Gipfel wird ebenfalls oft nicht mehr zum Prokletije gezĂ€hlt; zumindest geologisch ist er anderen Ursprungs.cite-ref-44[43]cite-ref-45[44]
Geologie
Strukturgeologisch ĂŒberschieben sich im Prokletije die Decke des Hochkarsts mit der Durmitordecke. Tektonisch gehört der Hochkarst zu den jĂŒngeren Ă€uĂeren Dinariden, die Durmitordecke den inneren Dinariden an. Damit nimmt das Alter der geologischen Serien von Nordwesten nach SĂŒdosten ab.
In seinem westlichen und zentralen Teil ist das Gebirge vornehmlich aus einförmigen und mÀchtigen mesozoischen Kalken und Dolomiten des Jura- und Kreidezeitalters aufgebaut. Im zur Durmitordecke gehörenden Teil ist der Gebirgskomplex abwechslungsreicher und differenzierter aufgebaut, was kleinrÀumige Fazieswechsel bedingt.
Im östlichen Prokletije finden sich daher neben Kalk- und Dolomitserien spÀtpalÀozoische und untertriassische Flysche, mitteltriassische Eruptivgesteine und mittel- und unterjurassische Metamorphite.
In seiner Gesamtheit ist das Gebirge aber noch heute nicht vollstÀndig erfasst.cite-ref-snv-24-1[24]
Geomorphologische Prozesse
Das Prokletije-Gebirge ist ein typisches Hochgebirge mit ausgeprĂ€gtem Steilrelief und glazialem Formenschatz. Absolute Reliefenergien von 1800 m finden sich im Valbona-, Grbaja- und Ropojani sowie Cijevna-Tal, ĂŒberhĂ€ngende WĂ€nde und zugespitzte Grate wie Bergspitzen sind typisch fĂŒr das westliche und zentrale Prokletije, im östlichen Gebirgsteil herrschen dagegen mildere Reliefformen vor. FĂŒr die starke pleistozĂ€ne Vergletscherung sind zudem Kartreppen und TrogtĂ€ler kennzeichnend.
Rezente Vereisung
An schattigen NordosthĂ€ngen zwischen 1980 und 2420 Metern Höhe finden sich im Prokletije nebst Schneefeldern rund ein Dutzend aktive rezente Gletscher sowie aktive und inaktive Blockgletscher. Unterhalb der Jezerce-Spitze liegen drei kleinere Hanggletscher von etwa 150 bis 250 Metern LĂ€nge, von denen der gröĂte im Herbst 2006 eine FlĂ€che von rund 7 Hektar hatte. Weitere kleinere Gletscher mit LĂ€ngen bis fast 400 Metern bildeten sich an den SĂŒdhĂ€ngen des Valbonatals rund um die Maja e ZhaporĂ«s (2561 m ĂŒ. A.) und die Maja e Brijasit (2567 m ĂŒ. A.). Zwei weitere Gletscher wurden in steilen NordwesthĂ€ngen zwischen Karanfili (2490 m. i. J.) und Maja VukocĂ«s (2450 m ĂŒ. A.) nachgewiesen, ein letzterer im groĂen Kar zwischen Kollata (2552 m ĂŒ. A.) und Dobra Kollata (2528 m. i. J.). Nebst zwei Gletschern im Pirin-Gebirge in Bulgarien sind dies die sĂŒdlichsten Gletscher Europas. Sie liegen alle unter der klimatischen Schneegrenze.cite-ref-46[45]cite-ref-47[46]cite-ref-glaciers-48-0[47]
Die TrogtĂ€ler von Ropojani, Grbaja und Valbona wurden in der letzten Eiszeit von kilometerlangen Gletschern ausgeschliffen. Der im Haupttal des Lims gelegene Plavsko jezero galt lange als Zungenbeckensee, wird aber heute nicht mehr als solcher angesehen, da die Gletscher nie so weit vorgestoĂen sind.cite-ref-glaciers-48-1[47] Dagegen sind rund 20 kleinere Seen glazialen Ursprungs, so die Seengruppe Buni i Jezerce an der Nordseite der Jezerca (daher der Name See-Spitze), die Seengruppe Liqenet tĂ« SylbicĂ«s im Nordosten Tropojas,cite-ref-sylbica-34-1[33] der Ridsko jezero sowie Bukumirsko jezero und Rikavacko jezero in Montenegro und der Leqinat-See im Kosovo. Weitere kleine Seen gibt es im Kosovo rund um den Ćœuti kamen und die Gjeravica (Gjeravica-See, Zemra-See). Eine solche AnhĂ€ufung findet sich auf dem europĂ€ischen Festland sonst nur in den Alpen.cite-ref-unep-23-1[23]
Verkarstung
Kennzeichnend fĂŒr die verkarsteten Teil des Prokletije sind die zahlreichen, zum GroĂteil noch unerforschten Höhlen.cite-ref-geopark-32-1[31] Die Höhle Shpella e Puçit oberhalb von Boga gilt als die gröĂte Höhle Albaniens. Sie ist 370 Meter tief, rund fĂŒnf Kilometer lang und trĂ€gt den Namen eines italienischen SpelĂ€ologen. Eine sehr lange Horizontalhöhle, die seit Jahren erforscht wird, findet sich am Arapi.cite-ref-49[48]cite-ref-linjagjelber-50-0[49]
Fluviale Dynamik
Im Prokletije entspringen zahlreiche bedeutende FlĂŒsse des sĂŒdöstlichen Westbalkans. Am Nordrand nehmen die Tara und der Lim ihren Anfang, zwei QuellflĂŒsse des gröĂten dinarischen Flusssystems, der Drina. Der Lumi i Vermoshit, der in Montenegro Lim genannt wird, entspringt im nordwestlichen Gebirgsteil. Bei Plav flieĂt der Lim durch den See Plavsko jezero. Als Zufluss der Drina entwĂ€ssert er mit den QuellflĂŒssen der Tara ins Schwarzen Meer.
Das sĂŒdliche Prokletije wird hingegen vom Drin und seinem Zufluss Valbona, welche die SĂŒdgrenze des Gebirges bilden, zur Adria hin entwĂ€ssert. Die Valbona nimmt aus dem Nordosten noch den Gash auf. Im Westen des Gebirges ist die Cijevna (albanisch: Cem) der wichtigste Abfluss. Die Cijevna entwĂ€ssert den nordwestlichen Teil im montenegrinisch-albanischen Grenzgebiet zur Adria. Bekannt sind daneben noch die Shala und der Kir im sĂŒdlichen Prokletije, die aufgrund der Karstnatur der BjeshkĂ«t e Namuna durch starke Wasserstandsschwankungen geprĂ€gt sind, die durch die karsthydrologischen Trockenheit verursacht werden. Am meisten Wasser fĂŒhren die FlĂŒsse im Mai wĂ€hrend der Schneeschmelze.cite-ref-albakademie-1-9[1] Das nur nach krĂ€ftigem Niederschlag Wasser fĂŒhrende Trockental des PĂ«rroi i ThatĂ« (zu Deutsch: Trockener Bach), das dem Shkodrasee zulĂ€uft, ist ein weiteres Beispiel von KarstflĂŒssen.
Der WeiĂe Drin, dessen Quelle selbst am nordöstlichsten Rand des Gebirges liegt, nimmt im weiteren Verlauf zahlreiche FlĂŒsse auf, die im Osten des Gebirges entspringen. Dazu gehören die Bistrica e PejĂ«s und die sĂŒdlicher gelegene Bistrica e Deçanit, die beide tiefe Schluchten bilden, und der Erenik.
Im Sommer fĂŒhren die FlĂŒsse nur wenig Wasser oder versiegen wie die meisten WasserlĂ€ufe gĂ€nzlich.cite-ref-zd-av-25-4[25] Wasser ist im Gebirge dann sehr rar. In den wasserreichen TĂ€lern der FlĂŒsse Shala und Valbona tritt viel Wasser aus Quellen im Berg wieder zutage und wird dort auch zur BewĂ€sserung von Feldern und Energiegewinnung genutzt. Oko Skakavica ist eine bedeutende Karstquelle im montenegrinischen Teil bei Vusanje.
Klima
Das Klima im Prokletije ist von kalten Wintern und heiĂen, trockenen Sommern geprĂ€gt, wobei es in höheren Lagen auch im Sommer frisch ist. Das Gebirge ist sowohl den EinflĂŒssen des Mittelmeerklimas als auch des Kontinentalklimas ausgesetzt.cite-ref-leutelt-22-3[22] Der Westrand liegt unweit des Adriatischen Meers.cite-ref-snv-24-2[24] Das Klima am Ostrand ist hingegen kontinentaler geprĂ€gt.cite-ref-kaser-40-1[39] Die Mitteltemperaturverteilung liegt bei 10 °C im Juli und â8 °C im Januar.cite-ref-klimaatlas-51-0[50] Durchschnittstemperaturen in Theth sind 20,4 °C im Juli und â0,2 °C im Januar, im leicht höher gelegenen Vermosh sind sie mit 15,9 °C resp. â2,8 °C etwas tiefer.cite-ref-albakademie-1-10[1]
Der Prokletije gilt als niederschlagreiches Gebiet mit Spitzen von ĂŒber 3500 mm pro Jahr.cite-ref-klimaatlas-51-1[50] Gerade im Dorf Boga im Trockenen Tal werden NiederschlĂ€ge von 3033 Millimeter pro Jahr gemessen; im restlichen Gebirge sind 2000 bis 2500 Millimeter pro Jahr die Regel.cite-ref-albakademie-1-11[1] Am meisten Niederschlag fĂ€llt in der kalten Jahreszeit, so allein im November ĂŒber 500 mm.cite-ref-klimaatlas-51-2[50] Auch bis zu zwei Meter Schnee sind ĂŒblich.cite-ref-albakademie-1-12[1] In höheren Lagen ist auch im Hochsommer meist noch Schnee zu finden. Nur in sehr trockenen Jahren sind die Schneefelder im Hochgebirge im Verlaufe des SpĂ€tsommers und Herbstes verschwunden.cite-ref-glaciers-48-2[47] Im Winter sind einige Dörfer im albanischen Teil des Prokletijes fĂŒr Monate faktisch vollkommen von der Umwelt abgeschnitten.cite-ref-winter-52-0[51]
Die Entdeckung rezenter Gletscher vor einigen Jahren ist fĂŒr die weitere Klimaforschung von groĂem Interesse.cite-ref-manu-53-0[52]cite-ref-54[53]cite-ref-55[54]cite-ref-56[55]
Biogeographie
Flora und Vegetation
Die Vegetation des Prokletije ist eine der reichhaltigsten der Balkanhalbinsel und gehört dem mitteleuropĂ€ischen Florengebiet an. Bis heute sind allein im albanischen Teil 1611 Wildpflanzen beschrieben worden.cite-ref-bs-57-0[56] Insgesamt sind 50 endemische, sub-endemische sowie bedrohter Pflanzenarten nachgewiesen.cite-ref-geopark-32-2[31] Die sĂŒdlichen Randgebirge zeigen schon sub-mediterranen Charakter. FĂŒr die tiefsten Tallagen der Schluchten und SonnenhĂ€ngen bedeutet dies immergrĂŒne Macchie,cite-ref-bradt-58-0[57] in höheren Tallagen sommergrĂŒne Sibljak-Strauchgesellschaften. Durch seine Höhe und topographisch begĂŒnstigter Habitate ist der Prokletije eines der Zentren der arkto-alpinen Reliktflora der Balkanhalbinsel.cite-ref-59[58] Von 77 arkto-alpinen Arten der ehemaligen Eiszeitflora der Balkanhalbinsel finden sich im Prokletije noch etwas mehr als 50 Arten.cite-ref-snv-24-3[24] 19 Arten, die im Prokletije vorkommen, finden sich in der Roten Liste gefĂ€hrdeter Arten.cite-ref-unep-23-2[23]
Vegetationsstufen
Die Vegetationsstufen im Prokletije entsprechen den alpinen: Von kollinen Tallagen fĂŒhren diese ĂŒber die montane Bergstufe zu waldfreien alpinen und subalpinen Matten und der subnivalen Tundra, die durch die Wirkung des Permafrostes aus weitlĂ€ufigen Schutthalden mit Rohböden geprĂ€gt wird.cite-ref-geopark-32-3[31] Eine echte nivale Stufe ist nicht flĂ€chig verbreitet, obwohl sich in den Hochlagen Schnee und Firnfelder auch ĂŒber den Sommer halten können sowie sich vier sehr kleine Gletscher in beschatteten Hochlagen um die höchste Erhebung der Jezerca-Spitze erhalten haben.
Buchen- und TannenwĂ€lder und in Silikatgebieten FichtenwĂ€lder prĂ€gen die montanen Bereiche. Hier herrschen Rotbuchen (Fagus silvatica) vor, denen sich hĂ€ufig WeiĂ-Tannen zustellen. Selten ist dagegen die fĂŒr Nordeuropa typische Waldkiefer (Pinus sylvestris), hĂ€ufig dagegen die trockenheitsresistente mittelmeerische Schwarzkiefer (Pinus nigra). Zitterpappeln (Populus tremula) sind an feuchten Standorten, Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus) und Gemeine Fichte (Picea abies) â das Prokletije ist eines der sĂŒdlichsten Verbreitungsgebiete der Fichte in Europa â an der Waldgrenze verbreitet. Die âKampfzonenâ des Waldes werden von dichten Dickichten der Bergkiefer (Pinus mugo) gebildet. Zwei Relikt-Koniferen, die Schlangenhaut-Kiefer (Pinus heldreichii) auf Karbonatgesteinen und die Mazedonische Kiefer (Pinus peuce) ĂŒber Silikaten, sind typische Elemente der endemischen balkanischen Flora und von besonderem naturkundlichen Interesse. Die Waldgrenze befindet sich auf etwa 1700 Meter Höhe.cite-ref-louis-28-2[28]
Die an alpinen Arten reichen Stufen gehören den VerbĂ€nden der Polster-Seggen und Blaugrasrasen des Seslerion juncifoliae sowie auf flachgrĂŒndigen Gesteinsschutt-Kalkböden des Oxytropidion dinaricae an, die den alpinen Krummsegenrasen der Alpen entsprechen. Zu den zahlreichen, auch aus den Alpen bekannten alpinen Arten gehören die Alpen-Aster (Aster alpinus), EdelweiĂ (Leontopodium nivalis) und WeiĂer Silberwurz (Dryas octopetala).cite-ref-treasures-60-0[59] Diese sind wie die Arten der SchneetĂ€lchen-Gesellschaften als typische Hochgebirgspflanzen an kurze Vegetationszeit, hohe UV-Strahlung, Frost und magere Böden speziell morphologisch und ökologisch angepasst.
Die Felsgesellschaften im Prokletije sind besonders erwĂ€hnenswert, da sie reich an seltenen und endemischen Arten sind: darunter das TertiĂ€rrelikt Neumayer-Krugfrucht (Amphoricarpos neumayerianus), Wulfenia carinthiaca subsp. blecicii, ein WegerichgewĂ€chs (Plantaginaceae), das im zentralen Prokletije als disjunkte Art der alpinen Wulfenie ĂŒber 700 Kilometer Luftlinie von dieser entfernt verbreitet ist, Petasites doerfleri, die nur an der Jezerca zu finden ist, die Albanische Lilie (Lilium albanicum) sowie die auf Serpentinböden vorkommende Viola ducagjinica am Gipfel der Radohina.cite-ref-bradt-58-1[57]cite-ref-61[60] ErwĂ€hnenswert ist auĂerdem Viola vilaensis Hayek, eine zur Art Viola chelmea gehörendes Veilchen aus dem montenegrinisch-albanischen Grenzgebiet, insbesondere am See Bukumirsko jezero in 2100 Meter Höhe verbreitet und zu einer nur in Kleinasien und dem Balkan verbreiteten Sippe gehörend, die durch ein verholzendes, krĂ€ftiges Rhizom, kleistogame BlĂŒten und das Fehlen von AuslĂ€ufern speziell an die unwirtlichen Hochgebirgsklimate von trockenen Karst-Hochgebirgen angepasst sind. Im Prokletije ist zudem das einzige europĂ€ische Verbreitungsgebiet des tertiĂ€ren Relikts von Forsythia europaea.
Nutzung von Heilpflanzen
Im Gebirge konnten ĂŒber 100 HeilkrĂ€uter nachgewiesen werden, darunter Arten aus den Gattungen Primula, Satureja und Sideritis.cite-ref-geopark-32-4[31]
Das Sammeln von Heilpflanzen fĂŒr kommerzielle Zwecke wird schon seit vielen Jahrzehnten praktiziert. Gesammelt werden vor allem Echter Salbei (Salvia officinalis), aber beispielsweise auch Gelber Enzian (Gentiana lutea), Schwarze Tollkirsche (Atropa belladonna), Schwarzer Holunder (Sambucus nigra), Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea), Herbstzeitlose (Colchicum autumnale), Wolliger Fingerhut (Digitalis lanata) und HĂ€nge-Birke (Betula pendula). Das ĂŒbermĂ€Ăige Sammeln dieser Pflanzen stellt eine GefĂ€hrdung fĂŒr einzelne Arten und die BiodiversitĂ€t dar.cite-ref-unep-23-3[23]cite-ref-treasures-60-1[59]cite-ref-62[61]
Fauna
Unter den SĂ€ugetieren sind â nebst verbreiteteren Tieren wie Reh (Capreolus capreolus), Dachs (Meles meles), Fuchs (Vulpes vulpes) und Iltis (Mustela putorius) â anderswo lĂ€ngst ausgestorbene Arten wie der BraunbĂ€r (Ursus arctos), der Fischotter (Lutra lutra) und der Wolf (Canis lupus) anzutreffen.cite-ref-winter-52-1[51]cite-ref-bradt-58-2[57]cite-ref-treasures-60-2[59]cite-ref-cijevna-63-0[62] Auch GĂ€msen der Unterart Rupicapra rupicapra balcanica werden oft nachgewiesen.cite-ref-linjagjelber-50-1[49]cite-ref-winter-52-2[51]cite-ref-cijevna-63-1[62]cite-ref-64[63]cite-ref-zindelhausamann-65-0[64]cite-ref-66[65]cite-ref-67[66]cite-ref-68[Anmerkung 2] Der stark bedrohte Balkanluchs (Lynx lynx balcanicus), eine Unterart des Eurasischen Luchses, von der es nur noch 30 bis 50 Exemplare geben soll,cite-ref-69[67] hat im Prokletije sowohl im Norden Albaniens wie auch im Rugovatal ein letztes RĂŒckzugsgebiet gefunden; Nachweise sind aber extrem selten.cite-ref-70[68]cite-ref-lynxnewsletter1501-71-0[69]cite-ref-72[70] Der ungarische Forscher Nopcsa spekulierte, ob zur Zeit seiner Reisen vor dem Ersten Weltkrieg noch Mufflons im Prokletije lebten.cite-ref-nopcsa-37-1[36]
VielfĂ€ltig ist die Vogelwelt mit ĂŒber 200 verzeichneten Arten.cite-ref-unep-23-4[23] Nach wie kommen zum Beispiel Steinadler (Aquila chrysaetos), Schlangenadler (Circaetus gallicus), Wespenbussard (Pernis apivorus), Wanderfalke (Falco peregrinus), Alpensteinhuhn (Alectoris graeca), Uhu (Bubo bubo), Zwergohreule (Otus scops), Schneefink (Montifringilla nivalis) und Auerhuhn (Tetrao urogallus) vor.cite-ref-cijevna-63-2[62]cite-ref-73[71]
Die Prokletije-Gebirgseidechse (Dinarolacerta montenegrina) ist eine endemische Echsenart des Prokletije.cite-ref-74[72] Sie gilt als Reliktart und wurde bisher von zwei Stellen in Montenegro und einer Population in Albanien beschrieben.cite-ref-75[73] Die Art besiedelt insbesondere sub-alpine PanzerkieferwĂ€lder, wo sie meistens um feuchte PlĂ€tze an Quellen und Glazialseen beobachtet wurde. Insgesamt gilt das Gebiet als ein Zentrum der europĂ€ischen Herpetofauna.cite-ref-76[74] Auffallend sind auch Amphibien der GewĂ€sser und Feuchtbiotope. Darunter fĂ€llt die SĂŒdgrenze der europĂ€ischen Verbreitung des Alpensalamanders (Salamandra atra). Im Hridsko jezore findet sich ein besonderes Zentrum neoteniescher Population des Bergmolches (Triturus alpestris). In gröĂeren Glazial-Seen des Prokletije wie im Visitorsko jezero wurden solche Populationen mit groĂen BestĂ€nden an Bergmolchen durch Introduktion von Fischen stark dezimiert. Waldeidechsen kommen in Buchen-HochwĂ€ldern und den WĂ€ldern mit Mazedonischer Kiefer vor. Sie wurden bisher aber nur um den Hridsko-See gefunden. Unter den Amphibien sind weiterhin Feuersalamander (Salamandra salamandra) und Gelbbauchunken (Bombina variegata), Griechische Frosch und auch die Riesen-Smaragdeidechse (Lacerta tirlineata) verbreitet. Nennenswert sind noch die Zauneidechse (Lacerta agilis), die Smaragdeidechse (Lacerta viridis), die Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni) sowie die giftige Hornotter (Vipera ammodytes) und die Kreuzotter (Vipera berus), die zu den echten Ottern gehören.
In den FlĂŒssen finden sich die zu kapitalen Fischen heranwachsenden Marmorata-Forellen (Salmo trutta marmoratus, Salmo trutta macrostigma), im Cem die lokale Strömer-Unterart Leuciscus souffia montenegrinus.cite-ref-cijevna-63-3[62]
Naturschutz
Dank seiner abgeschiedenen Lage und den tiefen LebensumstĂ€nden ist die natĂŒrliche Umwelt im Gebirge allgemein noch gut erhalten.cite-ref-unep-23-5[23] Diverse Regionen des Gebirges sind bereits als Naturschutzgebiete ausgewiesen:
âą In Albanien der Nationalpark Alpen Albaniens, der 828 Quadratkilometer groĂ ist. Er erstreckt sich entlang der Grenze von Vermosh bis zur Gjeravica. In ihm wurden 2022 nebst weiteren Gebieten Ă€ltere, bestehende Nationalparks zusammengefĂŒhrt, den alten Nationalpark Theth (2300 Hektar), der östlich angrenzende Nationalpark Valbonatal (8000 Hektar) und das Naturreservat Lugina e Gashit (Gash-Tal), das 3000 Hektar im Nordosten der Gemeinde Tropoja am DreilĂ€ndereck umfasste.cite-ref-unep-23-6[23]
âą Der montenegrinische Teil des zentralen Prokletije ist seit 2009 gĂ€nzlich als Nationalpark geschĂŒtzt: Der Nationalpark Prokletije umfasst eine FlĂ€che von 16.630 Hektar, vorwiegend sĂŒdlich des Lim und östlich von Plav.cite-ref-77[75]cite-ref-78[76]cite-ref-79[77]
âą Im Kosovo wurden im Jahr 2013 ganze 62.488 Hektar mit der Rugova-Schlucht im Tal der PeÄka Bistrica bei Peja als Nationalpark BjeshkĂ«t e Nemuna geschĂŒtzt.cite-ref-80[78] Zudem ist die Rugova-Schlucht ein Naturdenkmal (4301 Hektar), und es gibt einige weitere sehr kleine Naturreservate und NaturdenkmĂ€ler.cite-ref-unep-23-7[23]
Im Gash-Tal wurde der gröĂte Buchenurwald des Gebirges 2017 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Das abgelegene, 1262 Hektar groĂe Gebiet gehört zu den BuchenurwĂ€ldern und Alten BuchenwĂ€ldern der Karpaten und anderer Regionen Europas, das 66 weitere Schutzgebiete in zahlreichen LĂ€ndern Europas umfasst.cite-ref-82[80]
Das Tal von Nikaj-MĂ«rtur, sĂŒdlich des Valbonatals, ist seit 2008 als Regionaler Naturpark geschĂŒtzt. 2017 wurden die Regionalen Naturparks in Kommunale Naturparks verwandelt. Die abgeschiedene und nur dĂŒnn besiedelte Region umfasst rund 17.505 Hektar.cite-ref-83[81]cite-ref-84[82]cite-ref-85[83] Als Naturpark geschĂŒtzt ist das Shala-Tal sĂŒdlich vom Nationalpark â dieses 10.619 Hektar groĂe Gebiet wurde 2022 unter Schutz gestellt.cite-ref-86[84]
Obwohl das Prokletije noch wenige Zerstörungen durch Menschen aufweist, ist der Druck auf die Natur groĂ. Illegale Rodungen der WĂ€lder sind heute in ganz Albanien und Kosovo ein groĂes Problem. Davon sind weite Teile des Gebirges inklusive der Naturschutzgebiete betroffen.cite-ref-unep-23-9[23]cite-ref-87[85] In trockenen Sommern kommen immer wieder WaldbrĂ€nde vor, die zum Teil absichtlich gelegt werden.cite-ref-unep-23-10[23]cite-ref-88[86] Alle groĂen SĂ€ugetiere wie Wölfe, GĂ€msen, FĂŒchse, Dachse und Wildschweine sowie die groĂen Greifvögel werden ohne RĂŒcksicht auf Nationalparkgrenzen gejagt; auch illegales Fischen und ĂŒbermĂ€Ăiges Sammeln von Pflanzen wurde festgestellt.cite-ref-unep-23-11[23]cite-ref-winter-52-3[51] In den letzten Jahren wurden zudem vermehrt illegale Bauten festgestellt. Es fehlen auch Abwasser- und MĂŒllentsorgungseinrichtungen. Ansonsten ist die Umweltverschmutzung aber noch bescheiden, da es keine nennenswerte Industrie oder Bergwerke gibt. Luft- und WasserqualitĂ€t sind gut, die FlieĂgewĂ€sser meist in natĂŒrlichem Zustand.cite-ref-unep-23-12[23]
Besiedlung, Wirtschaft und Verkehr
Siedlungen und Infrastruktur
Das Prokletije ist von Albanern, Montenegrinern, Serben und Bosniaken bewohnt, jedoch nur sehr dĂŒnn besiedelt. An den RĂ€ndern gibt es einige KleinstĂ€dte, die als regionale Zentren dienen: das albanische Koplik und das montenegrinische Tuzi im Westen unweit des Shkodrasees, Plav und Gusinje im Tal des oberen Lim in Montenegro am Nordrand, sowie Bajram Curr, der Hauptort der Gemeinde Tropoja, im östlichen Prokletije. Auch die etwas weiter entfernten gröĂeren StĂ€dte Shkodra, Podgorica, Rozaje, Gjakova, Peja und Istog können Teile des Prokletije zu ihrem Einflussgebiet zĂ€hlen und werden als ĂŒberregionale Zentren von den Bewohnern des Berglands fĂŒr Besorgungen, BehördengĂ€nge und MarktverkĂ€ufe frequentiert. Die Einwohnerzahl inklusive der Bevölkerung in den Randzonen und zugehörigen StĂ€dten summiert sich auf geschĂ€tzte 150.000 Menschen.cite-ref-snv-24-5[24]
Innerhalb des Gebirges gibt es lediglich Dörfer mit bis zu einigen Hundert Einwohnern. Oft sind es ausgeprĂ€gte Streusiedlungen ohne klaren Kern. Kompaktere Siedlungen gibt es im östlichen Bereich.cite-ref-kaser-40-2[39] Zu den gröĂten Ortschaften zĂ€hlt Tamara im Tal des Cem, das zu Kelmend gehört. Die ehemalige Gemeinde mit acht Dörfern â darunter auch Vermosh â zĂ€hlte 3056 Einwohner (VolkszĂ€hlung 2011).cite-ref-instatsh2011-35-2[34]cite-ref-qkelmend-89-0[87] Tamara verfĂŒgt heute als einziger Ort im zentralen Gebirge ĂŒber Infrastruktureinrichtungen wie eine weiterfĂŒhrende Schule (albanisch Shkolla e mesme) und â neben Vermosh â eine Geburtsklinik. Bis zum Zusammenbruch des kommunistischen Systems gab es solche Einrichtungen zum Beispiel auch im Shala-Tal, wo in Breglumi ein kleines Verwaltungszentrum mit kommunaler Verwaltung, Mittelschule, kleinem Spital und MilitĂ€r bestand. Viele Bewohner der Dörfer im inneren Prokletije wie Boga, Theth oder Valbona leben nur in den Sommermonaten dort, da diese Dörfer im Winter oft ĂŒber Wochen oder Monate von der Umwelt abgeschnitten sind und die Versorgungslage sehr schlecht ist.cite-ref-winter-52-4[51]
Neben der saisonalen Abwanderung leidet das ganze Gebirge unter einer starken Auswanderung, da es neben der Landwirtschaft kaum Einkommen gibt. Schlechte Infrastruktur, der Krieg im Jahr 1999 und Ăberalterung verstĂ€rken diese Abwanderungstrends. Gerade in Albanien ziehen viele in der Hoffnung nach Arbeit und etwas mehr Komfort in die Gegend von Shkodra oder Koplik, nach Tirana oder ins Ausland.cite-ref-unep-23-13[23]cite-ref-stammesleben-39-2[38]cite-ref-entdecken-90-0[88] Da die Zahl der ganzjĂ€hrigen Bevölkerung und somit auch der Kinder immer kleiner wird, gibt es nur wenige staatliche oder kommunale Angestellte wie Lehrer. Viele Dörfer sind schon vor dem 15. Jahrhundert besiedelt worden.cite-ref-cook-rakaj-91-0[89] Einzelne TĂ€ler, die zum Ende des Kommunismus mehrere Tausend Einwohner zĂ€hlten,cite-ref-blueguide-92-0[90] drohen heute zu entvölkern. So ist in den ehemaligen Gemeinden des Dukagjin die Bevölkerung von 12.000 im Jahr 1990 auf rund 7000 im Jahr 2001, was in etwa der Bevölkerung der spĂ€ten 1920er Jahre entspricht, und auf 5870 Personen im Jahr 2011 zurĂŒckgegangen.cite-ref-instatsh2011-35-3[34]cite-ref-gjeta-41-2[40]
Landwirtschaft
Das Prokletije gehört in allen drei Staaten zu den Ă€rmsten Regionen, der albanische Teil ist aber besonders wenig entwickelt.cite-ref-unep-23-14[23] Die Landwirtschaft ist der wichtigste Wirtschaftszweig, wobei vor allem die Viehzucht wichtig ist.cite-ref-kaser-40-3[39]cite-ref-gjeta-41-3[40] Gehalten werden vor allem Schafe, daneben einige KĂŒhe und Ziegen. Es wird GemĂŒse angebaut und FrĂŒchte werden geerntet. Als Produkte werden insbesondere SchafskĂ€se, Schnaps, Honig, gesammelte Beeren und HeilkrĂ€uter sowie Handwerkskunst vertrieben.cite-ref-unep-23-15[23] Wie in ganz Albanien und Kosovo betreiben die meisten Bauern aber nur Subsistenzwirtschaft und sind oftmals von Ăberweisungen von Familienangehörigen im Ausland abhĂ€ngig.cite-ref-unep-23-16[23]cite-ref-blankenah413-93-0[91] Ein durchschnittlicher Hof im Dukagjin hatte Mitte der 1990er Jahre einen Grundbesitz von 1500 bis 3000 Quadratmetern, ein bis drei KĂŒhe, 15 Schafe und Ziegen, zwei oder drei Schweine und ein paar HĂŒhner.cite-ref-stammesleben2-94-0[92]cite-ref-kaser-40-4[39]
Neben der Landwirtschaft bieten Forstwirtschaft â oft illegal â und in bescheidenem Umfang auch der Tourismus ein Einkommen. Industrie gibt es im Gebirge nicht.cite-ref-unep-23-17[23]
Im Sommer 2014 hat die Polizei im Dukagjin mehrere Hundert Cannabisfelder zerstört. Das Gebiet wurde auch Lazarat des Nordens genannt â wie in Lazarat traf die Polizei in diesem abgeschiedenen Gebiet auf bewaffneten Widerstand.cite-ref-95[93]
Tourismus
Tourismus bietet dank der âganz besonderen Landschaft und des hohen natĂŒrlichen Werts dieser GebirgszĂŒgeâ (UNEPcite-ref-unep-23-18[23]) ebenfalls ein gewisses Potential. Die touristische Infrastruktur ist aber bescheiden oder fehlt gĂ€nzlich und bietet somit noch wenig Einkommen. Das touristische Angebot wird aber laufend ausgebaut. Rund um Plav und Gusinje gibt es schon lange Bergtourismus in bescheidenem Umfang. 2008 wurde von deutschen Kletterern ein Sportklettergebiet eingerichtet.cite-ref-unep-23-19[23]cite-ref-96[94] Im Gebiet von Hajle im Kosovo gibt es sogar Wintertourismus, wĂ€hrend in der Rugova-Schlucht 2013 der erste Klettersteig des Balkans eröffnet wurde.cite-ref-97[95]
Auch in Albanien hat sich in einigen wenigen Orten wie Theth der Berg- und Wandertourismus in den letzten Jahren stark entwickelt. Mit initialer Hilfe der GTZ wurden in PrivathĂ€usern TouristenunterkĂŒnfte errichtet; 2010 standen in PrivatunterkĂŒnften 130 Betten zur VerfĂŒgung â 100 mehr als noch 2007. Zudem wurden â mit dem Fernwanderweg Peaks of the Balkans sogar ĂŒber die Grenzen hinweg â Wanderwege ausgebaut und markiert sowie Wegweiser, Orientierungskarten aufgestellt und die Publikation von WanderfĂŒhrern finanziert. Im Zeitraum 2006 bis 2009 ist in Theth die Zahl der Touristen von rund 300 auf 7500 pro Jahr gestiegen â im Gegensatz zum restlichen Albanien handelt es sich dabei mehrheitlich um auslĂ€ndische Reisende. Aus dem Tourismus sind den Bewohnern des Dorfes in dieser Zeit Einnahmen von schĂ€tzungsweise 150.000 Euro erwachsen.cite-ref-beka-98-0[96]
Einzelne Hotels gibt es auch in Valbona und Razma, einem Ausflugsziel auf einer Terrasse am westlichen Rand der MalĂ«sia e MadhĂ«, sowie in den gröĂeren Orten am Rande des Gebirges wie Plav, Tuzi, Bajram Curr, Deçan, Istog und Peja. Einige der FlĂŒsse eignen sich zum Befahren mit Kajaks.cite-ref-99[97]cite-ref-100[98]
Verkehrswege
FrĂŒher fĂŒhrte die einstmals wichtigste Verbindung von der sĂŒdlichen Adria ins Innere der Balkanhalbinsel den groĂen FlusstĂ€lern folgend durch das Prokletije. Auch die ehemalige KarawanenstraĂe zwischen Podgorica und Plav durchquerte das Gebirge entlang Lim und Cijevna, wurde aber durch die von Ăsterreich-Ungarn geforderte Grenzziehung durch das Tal von Vermosh auf dem Berliner Kongress aus damals strategischen GrĂŒnden versperrt. Heute ist die Verkehrsinfrastruktur sehr schwach, und die Hauptverkehrswege fĂŒhren ums Gebirge herum. Das StraĂennetz ist schlecht entwickelt, kaum asphaltiert und im Winter oft durch Schnee blockiert.cite-ref-unep-23-20[23]cite-ref-snv-24-6[24]
Lediglich im Nordwesten gibt es zwei StraĂen, die das Prokletije durchqueren: Die SH20 fĂŒhrt vom Ostufer des Shkodrasees bei Han i Hotit ĂŒber einen ersten Pass ins Tal des Cem, folgt diesem bis zur Quelle hoch ĂŒber den Qafa e Bordolecit nach Vermosh, ĂŒberquert dort die Grenze nach Montenegro und endet bei Plav. Die Asphaltierung der StraĂe wurde Ende 2016 vollendet.cite-ref-101[99] Eine 2021 dem Verkehr ĂŒbergebene StraĂe ermöglicht die Fahrt durch das Tal des Cem.cite-ref-102[100] Sie fĂŒhrt von Podgorica das Tal des Cem hoch, ĂŒberquert bei Grabom die Grenze nach Albanien und mĂŒndet dann in die SH20.
Von Westen nach Osten gibt es lediglich eine StraĂe, die von Koplik ĂŒber Boga und den Qafa e ThorĂ«s nach Theth fĂŒhrt. Diese StraĂe ist bis zur Passhöhe asphaltiert. Ab Theth, von wo auch ein schlechter Fahrweg das Tal der Shala hinunter ins Kir-Tal und diesem Fluss folgend nach Shkodra fĂŒhrt, geht es nur zu FuĂ nach Norden â ĂŒber den Qafa e PejĂ«s â und nach Osten â ĂŒber den Qafa e ValbonĂ«s â weiter. Das Valbonatal ist ĂŒber eine asphaltierte StraĂe von Bajram Curr aus erschlossen. Bajram Curr ist am besten von Gjakova aus ĂŒber den gut ausgebauten Qafa e MorinĂ«s zu erreichen. Die kleine LandstraĂen von KukĂ«s durch Has und von Puka sind schmal, kurvenreich und zeitraubend. Der Betrieb der AutofĂ€hre auf dem Koman-Stausee von Koman nach Fierza wurde 2012 vorĂŒbergehend eingestellt. Zwischenzeitlich verkehren im Sommer wieder die FĂ€hren und ganzjĂ€hrig Boote fĂŒr den Personentransport.cite-ref-reisehandbuch-103-0[101] Zwischen Kosovo und Montenegro ist nur die StraĂe zwischen Peja und RoĆŸaje ĂŒber den Kula-Pass geöffnet;cite-ref-unep-23-21[23] der Äakorpass seit Langem gesperrt.
Geschichte
FrĂŒhgeschichte und Antike
Das Prokletije hat eine lange Siedlungsgeschichte. So stammen zum Beispiel die Ă€ltesten nachgewiesenen Siedlungsspuren im oberen Shala-Tal aus der Altsteinzeit.cite-ref-104[102] In Montenegro wurden am Berg Maja Popadija bedeutende Felszeichnungen aus der Mittleren Bronzezeit gefunden.cite-ref-snv-24-7[24] Auch Funde aus illyrischer Zeit wurden getĂ€tigt; fĂŒr die Illyrer waren die BergtĂ€ler wĂ€hrend der Römerzeit RĂŒckzugsgebiete. Ălteste Funde in Plav, das spĂ€ter auch von Römern besiedelt wurde, stammen aus dem 8. Jahrhundert vor Christus.cite-ref-prokletijenet-i-105-0[103] Ab dem 4. Jahrhundert wurde das Gebiet christlich.cite-ref-zindelhausamann-65-1[64]cite-ref-kelmendg1-106-0[104]
Mittelalter
In der SpĂ€tantike vom 7. bis 10. Jahrhundert wurde wĂ€hrend der Landnahme der Slawen auf dem Balkan auch das Prokletije slawisch besiedelt.cite-ref-bartl-107-0[105] Zahlreiche Ortsnamen slawischen Ursprungs weisen darauf hin.cite-ref-108[106] Zu Ende des 13. Jahrhunderts wurde das Gebiet Teil des serbischen Nemanjiden-Reichs. Nach dem Tod von Stefan DuĆĄan im Jahr 1355 zerfiel der serbische Einflussbereich allmĂ€hlich.cite-ref-bartl-107-1[105] Der kosovarische Ostrand des Gebirges blieb aber bis in die Neuzeit ein Zentrum der serbischen Orthodoxie und beherbergt den Erzbischöflichen Sitz des Patriarchats von PeÄ. Im Gebiet des Prokletije regierten nach den Serben zuerst die BalĆĄiÄ, danach vor allem lokale albanische Adelsgeschlechter wie die FĂŒrsten Dukagjini, die sich aber alle entweder mit den TĂŒrken oder mit den Venezianern verbĂŒnden mussten. Um 1430 gehörte das Prokletije mit anderen Bergregionen im Norden zu den letzten Gebieten, die noch nicht tĂŒrkisch besetzt waren.cite-ref-bartl-107-2[105]
TĂŒrkenzeit
Die Eroberung Nordalbaniens durch die TĂŒrken fĂŒhrte dazu, dass viele Bewohner aus der KĂŒstenebene in die Berge flĂŒchteten und sich dort niederlieĂen. Das Ereignis muss die Gesellschaft grundlegend verĂ€ndert haben, sind doch unter den Bewohnern keine Stammesahnen vor dem Jahr 1500 bekannt.cite-ref-schmitt-na-109-0[107]
Die Neuzeit ist primĂ€r vom mehr oder minder erfolgreichen Abwehrkampf der katholischen Berglandbewohner gegen die Osmanen geprĂ€gt. Das osmanische Heer eroberte im 15. Jahrhundert zwar in blutigen Schlachten das Gebiet und die Bergbewohner sollten Steuern zahlen, konnte aber nie die vollkommene Herrschaft ĂŒber die Berge gewinnen. Nur eine lockere Oberherrschaft wurde anerkannt.cite-ref-schmitt-na-109-1[107] Die Bewohner leisteten in AufstĂ€nden immer wieder Widerstand gegen die erstarkende Staatsmacht und zogen sich stĂ€rker in die Berge zurĂŒck, auch um der Islamisierung zu entgehen, die zumindest die Randgebiete und die weniger unzugĂ€nglichen TĂ€ler im Osten erfasste.cite-ref-zindelhausamann-65-2[64]cite-ref-kelmendg2-110-0[108] Aus den Bergen gelangte spĂ€ter der Katholizismus wieder in einzelne StĂ€dte der Ebene wie nach Shkodra.cite-ref-schmitt-na-109-2[107] In Kriegszeiten verlieĂen die Bewohner oft ihre Dörfer und versteckten sich in den Bergen oder verschanzten sich auf uneinnehmbaren BergrĂŒcken.cite-ref-stammesleben-39-3[38]cite-ref-zindelhausamann-65-3[64]
Zerfall des Osmanischen Reichs
Mit der allmĂ€hlichen Auflösung des Osmanischen Reiches begann ein Kampf der albanischen Bewohner der Berge gegen die Aufteilung ihres Siedlungsgebiets ĂŒber mehrere Staaten. Gegen den Frieden von San Stefano (1877) und den Beschluss des Berliner Kongressâ (1878), das zum Osmanischen Staate gehörende Gebiet um Plav und Gusinje an Montenegro abzutreten, erhob sich gewalttĂ€tiger Widerstand unter Leitung der Liga von Prizren. Nach KĂ€mpfen im Winter 1879/80 â darunter die Schlacht von NokĆĄiÄ â musste Montenegro nach Niederlagen die AnsprĂŒche auf Plav und Gusinje aufgeben. Statt diesem Gebiet wurde Montenegro ein Landstreifen an der Cijevna zugesprochen, der jedoch ebenfalls nach dem Abzug der TĂŒrken von Albanern besetzt wurde. Nachdem sich im Gebiet etwa 10.000 Albaner versammelt hatten, forderten die GroĂmĂ€chte die tĂŒrkische Regierung auf, entweder die Abtretung des Cijevna-Gebiets durchzusetzen oder die Stadt Ulcinj mit einem KĂŒstenstreifen an Montenegro abzutreten. Nach internationalem Druck entschied sich die tĂŒrkische Regierung fĂŒr die Abtretung Ulcinjs und eroberte im November die Stadt gegen den Widerstand der Liga.
Der Zerfall des Osmanischen Reichs brachte zwar einen eigenstĂ€ndigen albanischen Staat, der 1912 ausgerufen wurde, mit sich. Seither ziehen sich aber auch Grenzen, die 1913 im Londoner Vertrag festgelegt worden waren, quer durch das Gebirge. Diese Grenzen waren aber noch fĂŒr die folgenden 41 Jahre sehr durchlĂ€ssig: Wie ehedem verkauften die Bergbewohner ihre Produkte in den nahen StĂ€dten im Kosovo, pflegten Austausch zu Verwandten und trieben ihre Herden von den Winterweiden in Montenegro in die albanischen Berge.cite-ref-zindelhausamann-65-4[64]cite-ref-kelmendg2-110-1[108]cite-ref-kelmendg3-111-0[109] Trotzdem verloren durch die Grenzziehung alte Karawanenwege wie derjenige ĂŒber die Qafa e PejĂ«s oder von Plav durchs Tal von Vermosh nach Podgorica ihre Bedeutung.cite-ref-unep-23-22[23]cite-ref-snv-24-8[24]cite-ref-zd-av-25-5[25]
Der ganze Nordteil des Prokletije inklusive die Teile Metochiens um die StĂ€dte Peja und Gjakova wurde nach dem Ersten Balkankrieg dem Königreich Montenegro zugesprochen.cite-ref-112[110] Der Kampf fĂŒr die Rechte der Albaner wurde insbesondere auch von Albanern aus Kosovo mitgetragen. Manch dieser Kosovaren wie zum Beispiel Bajram Curri aus Gjakova waren auch im unabhĂ€ngigen Albanien politisch aktiv. Als Gegenspieler des spĂ€teren Königs Ahmet Zogu, der zeitweilig mit Jugoslawien verbĂŒndet war, wurde Bajram Curri von Regierungstruppen verfolgt und dann auch in einer Höhle im Valbona-Tal eingekesselt, wo er sich, um der Gefangennahme zu entgehen, am 29. MĂ€rz 1925 erschoss. Die Kommunisten haben den Hauptort von Tropoja, Bajram Curr, nach ihm benannt.
NordeuropÀische Entdecker und Bergsteiger
Das albanische Bergland blieb lange terra incognita, das nur am Rande zum Beispiel von Reisenden auf dem Karawanenweg von Shkodra nach Prizren passiert wurde.cite-ref-sleeman-113-0[111] Nach 1900 kamen erste AuslĂ€nder ins Innere des Gebirges, so der Chirurg Erich Liebert und Karl Steinmetz, österreichischer Ingenieur, Entdecker und Reisebuchautor, der nebst einem deutsch-albanischen Wörterbuch zwei BĂŒcher ĂŒber seine Reisen in den Jahren 1903 und 1904 verfasst hat.cite-ref-114[112]cite-ref-115[113] Steinmetz hat auch einen Berg im Jezerca-Massiv â vermutlich die Maja e AlisĂ« (2474 m ĂŒ. A.) â bestiegen.cite-ref-zd-av-25-6[25] Nebst den vielen Gipfeln im Gebirge, die ĂŒber eine flachere Seite problemlos erklommen werden können und deshalb zum Teil vermutlich von JĂ€gern und Hirten besucht worden waren, ist dies die erste dokumentierte Bergbesteigung.cite-ref-zd-av-25-7[25] Diverse Berge, darunter die Radohima, hatte auch der aus Ungarn stammende Franz Baron Nopcsa bestiegen, der 1907 das Gebirge geologisch erkundete, nachdem er 1901 noch erfolglos versucht hatte, ins Gebirge vorzudringen.cite-ref-zindelhausamann-65-5[64]cite-ref-nopcsamem-116-0[114] Nopcsa gehörte bald zu den besten Kennern des Landes und veröffentlichte die Arbeiten Das katholische Nordalbanien (1907) und Aus Shala und Klementi. Albanische Wanderungen (1910), Haus und Hausrat im katholischen Nordalbanien (1912), BeitrĂ€ge zur Vorgeschichte und Ethnologie Nordalbaniens (1912) und Bauten, Trachten und GerĂ€te Nordalbaniens (1925) sowie ein umfassendes geographisch-geologisches Buch ĂŒber Nordalbanien (1929).cite-ref-117[115] Etwa zur gleichen Zeit wie Nopcsa war Edith Durham im Gebiet unterwegs, die 1909 in ihrem Buch High Albania die nordalbanische Stammesgesellschaft darstellte. Die EnglĂ€nderin wurde in der von MĂ€nnern dominierten Gesellschaft von den Albanern wie ein Mann behandelt. Durham, die sich ihr Leben lang fĂŒr die Sache der Albaner engagierte, viel Hilfe leistete und deshalb auch als Königin der HochlĂ€nder (MbretĂ«resha e MalĂ«soreve) bezeichnet wurde, wurde mit einem Denkmal am Qafa e ThorĂ«s geehrt.cite-ref-gutzweiler-118-0[116] 1910 bereiste Paul Siebertz (1877â1954) das nordalbanische Bergland. Der Chefredakteur der Wiener Zeitung âDas Vaterlandâ schrieb daraufhin das Buch Albanien und die Albanesen. Nach 1910 kamen vermehrt AuslĂ€nder ins Gebiet, zuerst Soldaten verschiedener auslĂ€ndischer Armeen und spĂ€ter auch mehrere Bergsteiger. Edith Durham blieb auch nicht die einzige Frau, die in Nordalbaniens Bergen unterwegs war, in deren Gesellschaft Frauen traditionell kaum Rechte hatten: In den 1920ern bereiste die Amerikanerin Rose Wilder Lane das Bergland und publizierte ebenfalls ein Buch ĂŒber ihre Reise.
Im Rahmen der Festlegung der Grenze in den 1910er Jahren wurden einige der Berge nördlich des Valbonatals bestiegen.cite-ref-zd-av-25-8[25] Ende der 1920er Jahre kartographierten italienische Vermesser das albanische Prokletije vollstÀndig.cite-ref-119[Anmerkung 3] In diesem Zusammenhang konnten sie auch viele Erstbesteigungen verzeichnen, was 1930 und 1931 auch österreichischen Bergsteigern gelang.cite-ref-zd-av-25-9[25]cite-ref-zd-a-20-1[20]cite-ref-az30-120-0[117]cite-ref-az31-121-0[118] Abgesehen von den italienischen Vermessern wurde die Jezerca im September 1929 erstmals von drei britischen Bergsteigern bestiegen.cite-ref-sleeman-113-1[111]
âIncidentally we learnt that a party if Italians had been in the district a few weeks previously for the purpose of surveying the mountains, and we could see the cairns they had built on most of the heights round the valley [of Theth].â
âZufĂ€llig erfuhren wir, dass ein paar Wochen zuvor eine Gruppe Italiener im Bezirk war, um die Berge zu vermessen, und wir konnten auf den meisten Höhen rund um das Tal [von Theth] die SteinmĂ€nner sehen, die sie gebaut hatten.â
â
Cyril Montague Sleeman
:
The Mountains of Albania (1930)
Wie die Italiener hatten wohl auch die österreichischen Expeditionen des Deutschen und Ăsterreichischen Alpenvereins nebst alpinistischen Erfolgen das Ziel, Klarheit ĂŒber letzte weiĂe Flecken zu verschaffen.cite-ref-122[119] Die italienischen Vermessungen in diesem Grenzgebiet sahen Beobachter durch militĂ€rische Interessen begrĂŒndet, war doch der junge albanische Staat noch sehr schwach und italienisches Interesse an Gebieten jenseits der Adria stets groĂ.cite-ref-leutelt-22-4[22]cite-ref-sleeman-113-3[111]
Das Gebiet entwickelte sich auch im neuen albanischen Staat wÀhrend der Zwischenkriegszeit kaum. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs gab es kein entwickeltes Wirtschaftssystem. Es wurden nur Naturprodukte gehandelt. Jegliche Industrie und Bergbau fehlten, es gab keine Gesundheitsversorgung, keine Justiz und kaum Polizei sowie nur ganz wenige Schulen.cite-ref-kondi-123-0[120]
Sozialismus und unĂŒberwindbare Grenzen
Nach dem Zweiten Weltkrieg machte sich wieder eine fremde Herrschaft im Bergland breit. Die Kommunisten, die in Albanien die Macht ĂŒbernommen hatten, trafen hier auf bewaffneten Widerstand, den sie aber rasch mit groĂer HĂ€rte unterdrĂŒckten. Die frĂŒher starken ökonomischen und gesellschaftlichen Verbindungen zwischen Tropoja und dem Kosovo wurden durch die fest verriegelten und streng bewachten Grenzen unterbrochen.cite-ref-unep-23-23[23]
In der Folge verĂ€nderte sich die Gesellschaft stark: Die hergebrachten Stammesstrukturen mit Ăltestenrat wurden aufgelöst, viele StammesĂ€lteste und Kleriker wurden verfolgt. 1957 wurde in Theth eine erste Genossenschaft errichtet, bis 1967 wurden alle Bauern Albaniens kollektiviert. Die Frauen, die ebenfalls in der Genossenschaft arbeiteten, wurden stĂ€rker Teil des öffentlichen Lebens. Die Transhumanz der wandernden Hirten wurde durch die SchlieĂung der Grenzen und die Politik Albaniens, das sich von den Nachbarn isolierte, verunmöglicht. Die Bewegungsfreiheit wurde auch innerhalb Albaniens eingeschrĂ€nkt, so dass die Leute nicht aus den Bergen abwandern konnten.
Andererseits wurden Schulen gebaut sowie eine einfache Gesundheitsversorgung eingerichtet, und die Dörfer wurden mit Strom versorgt. Es entstanden vereinzelte kleine Zentren wie in Tamara oder Breglumi im Shala-Tal. Es entstanden auch industrielle Betriebe in der Forstwirtschaft und zur Energiegewinnung sowie ein kleines Bergwerk in Shosh.cite-ref-stammesleben-39-4[38]cite-ref-kaser-40-5[39]cite-ref-gjeta-41-4[40]cite-ref-zindelhausamann-65-6[64]cite-ref-kelmendg4-124-0[121]cite-ref-125[122]
Transformationsjahre
Anfang der 1990er Jahre kollabierte das kommunistische System in Albanien, wÀhrend am Nord- und Ostrand der jugoslawische Vielvölkerstaat zerfiel. Die Grenzen blieben bis auf weiteres geschlossen, da Wirtschaftsembargo wegen des Bosnienkriegs und politische Spannungen wegen der ungelösten Kosovofrage den Austausch zwischen den Nachbarn unterbanden.
In Albanien wurde das Land der Genossenschaften wieder an die Bauern verteilt und die Menschen nahmen ihr von Alters her gewohntes Leben wieder auf, das durch die Kollektivierung stark verĂ€ndert worden war. StĂ€lle und Lager der Genossenschaften wurden vielerorts zerstört oder verfielen mit der Zeit.cite-ref-cook-rakaj-91-1[89]cite-ref-126[123] Eine starke, durch die Armut bedingte Abwanderung verĂ€nderte die Gesellschaft in den Bergdörfern wie oben beschrieben. Und auch viele der alten Traditionen wurden nicht mehr wie frĂŒher gelebt.cite-ref-cook-rakaj-91-2[89]
Der Kosovokrieg im Jahr 1999 tangierte auch das Prokletije in seinem Nordosten. Bewohner mussten ihre Dörfer verlassen, viele flĂŒchteten ĂŒber die Grenzen nach Albanien und Montenegro. Die UĂK benĂŒtzte Albanien als RĂŒckzugszone. Nach dem Krieg entstand in Kosovo ein neues Staatssystem. Einfluss hatte der Krieg auch auf die Umwelt: illegale AktivitĂ€ten wie HolzfĂ€llen und Jagen nahmen zu, das Legen von Minen und die spĂ€tere RĂ€umung fĂŒhrten zu SchĂ€den, die Entvölkerung ganzer Bergregionen brach den Abbruch der traditionellen Bodenbewirtschaftung mit sich.cite-ref-unep-23-24[23]
Seit dem Krieg ist die StraĂe ĂŒber den Äakorpass (1849 m. i. J.) zwischen Andrijevica in Montenegro und Peja im Kosovo geschlossen. Mit der anbahnenden Eigenstaatlichkeit Montenegros verbesserten sich hingegen die Beziehungen zu Albanien, so dass nach der Jahrtausendwende ein GrenzĂŒbergang zwischen Vermosh und Plav eröffnet werden konnte. Heute bestehen grenzĂŒbergreifende Projekte zur Förderung des Tourismus.cite-ref-127[124]cite-ref-128[125]
Kulturgeschichte
Berglandwirtschaft und Fernweidewirtschaft
Ackerbau ist im Prokletije nur in sehr eingeschrĂ€nktem MaĂ möglich und wird in einigen zentralen TĂ€lern bis ĂŒber 1000 Meter Höhe betrieben. Angebaut werden insbesondere Getreide, Kartoffeln und GemĂŒse. Bis auf 900 Meter Höhe gibt es auch Weintrauben.cite-ref-kaser-40-6[39] Die zumeist kleinen Felder mĂŒssen in der Regel bewĂ€ssert werden,cite-ref-leutelt-22-5[22] wofĂŒr nach alter Tradition Terrassen angelegt wurden.cite-ref-zd-av-25-10[25]
Vorherrschend ist die Viehzucht, da die Felder die Bewohner nie zu ernĂ€hren vermochten.cite-ref-zd-av-25-11[25] Es werden vor allem Schafe, wenige Ziegen und KĂŒhe sowie etwas GeflĂŒgel gehalten. Auch Bienenzucht ist weit verbreitet.cite-ref-unep-23-25[23]cite-ref-zd-av-25-12[25]cite-ref-cijevna-63-5[62]cite-ref-qkelmend-89-1[87] Bei der lokalen Bevölkerung beschrĂ€nkt sich die Viehwirtschaft meist auf den Talboden und nahe zu erreichende HĂ€nge, da der Bevölkerungsdruck stark zurĂŒckgegangenen ist. Alpwirtschaft respektive Koliba-Wirtschaft wird meist von Bauern aus den Ebenen rund um den Shkodrasee betrieben. Die Sommerweiden werden durch sogenannte Katune â das sind einfache, zu mehreren zusammenstehende HolzhĂŒtten â geprĂ€gt, in die die Hirten Anfang Sommer hinaufziehen, so dass manche Alpen auf bis zu 1700 Meter Höhe dann stark bevölkert sind.cite-ref-snv-24-9[24]cite-ref-kaser-40-7[39] Die zentralen, verkarsteten Gegenden sind viel weniger besiedelt. In diesen trockenen Gebieten dient den Schafherden oft nur Schnee als Wasserquelle; die Alpweiden sind wegen der Trockenheit meist aper.cite-ref-leutelt-22-6[22] Welchen Einfluss der BevölkerungsrĂŒckgang in vielen Gebieten und die damit verbundene geringere Zahl von grasenden Schafen auf die Umwelt und die lokale Wirtschaft haben wird, ist noch unklar.cite-ref-unep-23-26[23]
Traditionell war die Transhumanz in Albanien bei vielen StĂ€mmen stĂ€rker ausgebreiteter als heute. Schon damals wurden die Berggebiete zum Teil nur im Sommer bewohnt, wĂ€hrend im Winter das Vieh in die schneefreien KĂŒstenebenen getrieben wurde.cite-ref-129[126] Die unĂŒberwindbaren Staatsgrenzen, die im 20. Jahrhundert auf dem Balkan gezogen wurden, verunmöglichten diese Fernweidewirtschaft weitgehend und trennten zum Teil Familien und StĂ€mme fĂŒr Jahrzehnte.cite-ref-kaser-40-8[39] GroĂe VerĂ€nderungen im Alltag brachte die EinfĂŒhrung landwirtschaftlicher Genossenschaften in Nordalbanien in den 1960er Jahren. Die Bergbauern mussten damals Land und Vieh an den Staat abtreten.cite-ref-cook-rakaj-91-3[89]
Forstwirtschaft wurde, wohl auch in Ermangelung von Verkehrswegen, traditionell wenig bis gar nicht betrieben.cite-ref-lattmann-21-1[21] Heute werden durch meist illegales Abholzen und fehlendes Waldmanagement viele WÀlder zerstört.cite-ref-130[127]
Heute ist wieder zu beobachten, dass groĂe Schafherden aus den Ebenen im Sommer ĂŒber weite Distanzen auf Bergweiden im Prokletije getrieben werden. Wie zu frĂŒheren Zeiten, als die Behausungen auf den Alpen lediglich aus aufgeschichteten Steinen, kleinen Brettern und Zweigen bestand,cite-ref-lattmann-21-2[21] sind auch heute noch sehr einfach und oft nur HĂŒttchen aus Plastik, Ăsten und Zweigen.cite-ref-stammesleben-39-5[38]
Religionen, Ethnien und Sprachen
Wie so viele Gebiete des Balkans ist auch der Prokletije eine kulturelle Schnittstelle. Hier treffen Katholiken, Muslime und Orthodoxe verschiedener Völker â Albaner, Serben, Montenegriner, TĂŒrken, Roma und Bosniaken â aufeinander.
Der westliche Teil des Prokletije ist traditionell katholisch.cite-ref-stammesleben-39-6[38] So leben beispielsweise in Kelmend lediglich in Nikç einige muslimische Familien.cite-ref-kelmendnik-131-0[128] In Tropoja, in der Ebene rund um Shkodra und Koplik sowie in wenigen Dörfern am westlichen Rand der Berge leben hingegen mehrheitlich Muslime. Eine Ausnahme ist das Dorf Rragam im hintersten Valbona-Tal, das von Katholiken aus Theth besiedelt wurde.cite-ref-132[129]
Im albanischen Teil des Prokletije leben ausschlieĂlich Albaner.cite-ref-133[130]
Im nördlichen und östlichen Prokletije leben zum Teil auch Slawen. Prominenter Zeuge der serbischen Besiedlung an den östlichen AuslĂ€ufern des Prokletije ist das serbisch-orthodoxe Kloster Visoki DeÄani, das zum UNESCO-Welterbe zĂ€hlt und am FuĂe der Gjeravica/Djeravica liegt. Die Albaner im kosovarischen Prokletije sind mehrheitlich muslimisch. Auch der GroĂteil der Bevölkerung der Gemeinde Plav in Montenegro ist muslimisch. Hier finden sich noch alte Moscheen mit hölzernen Minaretten.cite-ref-snv-24-10[24]
Zwischen den Religionen und Volksgruppen gibt es heute â vielleicht vom Kosovo abgesehen â keine beachtlichen Spannungen.
âThe local population of all ethnic groups are willing to communicate and cooperate.â
âDie lokale Bevölkerung â unabhĂ€ngig von der ethnischen Zugehörigkeit â ist gewillt, miteinander zu verkehren und zusammenzuarbeiten.â
â
Feasibility Study: Prokletije/Bjeshkët e Nemuna Mountains
Brauchtum
Wesentliches Merkmal des Prokletije ist eine patrilineare Stammesgesellschaft, die ĂŒber alle NationalitĂ€ten, Religionen und Sprachen hinweg gelebt wird. Basis war eine MentalitĂ€t, in der Ehre, Kampf und MĂ€nnlichkeit einen hohen Stellenwert hatten. Die Menschen lebten in GroĂfamilien nach strengen Regeln.cite-ref-kaser-40-9[39]cite-ref-schmitt-na-109-3[107] Die GroĂfamilie (familja) gehörte zu einer Bruderschaft (vllazni), die Teil eines Stamms (fis) war. Mehrere StĂ€mme bildeten einen Banner (flamnur). Die Gesamtheit der Banner war die Nation (kom).cite-ref-kondi-123-1[120] Ein besonderer Fall der patrilearen Stammesgesellschaft sind die Eingeschworenen Jungfrauen die bis ins 21. Jahrhundert in albanischen Klans der Bjeshket Namuna beobachtet werden, frĂŒher aber auch den Montenegrinern bekannt waren.
Im Prokletije ist der Ăbergang von Brauchtum zu gelebter Tradition oft noch sehr flieĂend.cite-ref-stammesleben-39-7[38] GroĂfamilien unter einem Dach bestehend aus dem Familienoberhaupt, seinen Söhnen mit Frauen und Kindern gab es auch noch im kommunistischen Albanien. Auch wenn die Kommunisten die Kleinfamilien förderten, blieben die Strukturen doch noch oft enthalten.cite-ref-stammesleben-39-8[38] Erst die postkommunistische Migration fĂŒhrte zu einem verbreiteten Auseinanderbrechen dieser Wohnstrukturen. In Boga lebten aber bereits Mitte der 1990er Jahre nicht einmal mehr ein Viertel der Leute in GroĂfamilien.cite-ref-cook-rakaj-91-4[89] Auch die Volkstrachten sind in den Bergen noch alltĂ€glicher als in den meisten anderen Landesgegenden und werden insbesondere von den Alten an Festtagen oder bei Fahrten in die Stadt noch regelmĂ€Ăig getragen. Wirklich zum Alltag gehören die alten Kleider aus Wolle und Filz aber nicht mehr.cite-ref-stammesleben-39-9[38] Auch das Gewehr, ohne das frĂŒher kaum ein Albaner aus dem Haus ging, ist heute nicht mehr zu sehen.
âIn den Augen der Malessoren ist ĂŒberhaupt nur derjenige ein Mann, der seine Waffe zu fĂŒhren weiĂ. Tamam shqiptarâ ganz wie ein Albanerâ, das ist das höchste Lob, das man dann einheimst.â
â
Franz Baron Nopcsa
:
Reisen in den Balkan
Das Leben in den Bergen war eine schriftlose, von mĂŒndlichen Ăberlieferungen geprĂ€gte Kultur. Dazu gehörten neben Epen und einer vielfĂ€ltigen Sagenwelt auch das Gewohnheitsrecht, das Kanun genannt wird und noch heute den Alltag beeinflusst. Der Kanun regelt in der Bergwelt ohne Staatcite-ref-schmitt-na-109-4[107] den Alltag inklusive Familienrecht, Erbschaft, Handel, öffentliches Recht und Strafnormen. Die Blutrache, die ebenfalls streng im Kanun geregelt ist, ist zwar nicht mehr ein allgegenwĂ€rtiges Problem wie in den 1990er Jahren, kommt aber weiterhin vor, wobei die strengen Regeln kaum mehr eingehalten werden. Bei einer Umfrage Mitte der 1990er Jahre in Boga zeigte sich, dass in mehr als 90 Prozent die Ehepartner nicht durch Liebe zueinander fanden, sondern die Heirat von den Familien arrangiert wurden. Die Ehepartner durften traditionell nicht aus demselben fis (Stamm) kommen. Auch in der Neuzeit ist noch kaum eine verheiratete Frau im selben Dorf geboren worden.cite-ref-stammesleben-39-10[38]cite-ref-cook-rakaj-91-5[89]
AusgeprĂ€gt sind die traditionellen Trauerrituale, zu denen gemeinsames BrĂŒllen und schmerzvolles Stöhnen bei den MĂ€nnern und Gurren und lautes Weinen der Frauen gehören. Die MĂ€nner schlagen sich dabei auch gegen die Brust.cite-ref-kondi-123-2[120]
Einblick in das Leben im Prokletije zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als die Moderne noch kaum in der Bergregion Einzug gehalten hatte, geben die BĂŒcher von Edith Durham. Durham hatte die patriarchalische Bergwelt ohne mĂ€nnliche Begleitung bereist. Sie beschreibt zum Beispiel ein Fest am Tag eines Heiligen eines Stammes, zu dem die GĂ€ste groĂ herausgeputzt in festlicher Tracht erschienen und zur Belustigung dauernd in die Luft geschossen wurde.cite-ref-134[131] Ein paar Museen in der Region sind ebenfalls dem kulturellen Erbe gewidmet, so diejenigen in RoĆŸaje, Berane, Bajram Curr, Theth, Shkodra und Peja.cite-ref-snv-24-12[24]cite-ref-135[132]
SchwermĂŒtiger, epischer Gesang, wo möglich begleitet durch einfache Lauteninstrumente wie die Ăiftelia oder die Gusle, wurde an Lagerfeuern oder langen Winterabenden praktiziert.cite-ref-snv-24-13[24]cite-ref-zd-av-25-13[25] Die SĂ€nger, die wie alle anderen meist des Lesens nicht kundig waren, kannten Tausende von Liedzeilen auswendig.cite-ref-zindelhausamann-65-7[64] Ein wahres Denkmal in der Tradition der Heldenepen schuf der Priester Gjergj Fishta zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Die Lahute e MalcĂs beschreibt den Kampf der Albaner um UnabhĂ€ngigkeit und Freiheit in den Jahren 1862 bis 1913, insbesondere zahlreiche KĂ€mpfe und Schlachten, aber auch das patriarchalische Leben, die gesellschaftlichen Werte und die Mythologie des nordalbanischen Berglands.
âAuf manchen Gipfeln, deren Besteigung mit den Hirtenpflichten nichts zu tun hatte, sahen wir Malissoren sitzen und die Flöte spielen oder von Gipfel zu Gipfel mit Hilfe ihres jodelartigen Bergtelefons konversieren.â
â
Rudolf Leutelt
:
Die Radohinesgruppe in den nordalbanischen Alpen
Auch in MĂ€rchen, Legenden und Sagen mit Feen, Naturgeistern (Zanen, Vilen), DĂ€monen (kore), Giganten (xhudhi) und Schatten sowie Seelen von Verstorbenen (Jinn) wird die weit verbreitete Mythologie festgehalten.cite-ref-zindelhausamann-65-8[64]cite-ref-mythology-136-0[133] Der Ăsterreicher Maximilian Lambertz sammelte wĂ€hrend seiner Albanienaufenthalte im Ersten Weltkrieg diverse dieser MĂ€rchen, weitere wurden spĂ€ter von Martin Camaj und Uta Schier-Oberdorffer veröffentlicht.cite-ref-137[134]cite-ref-138[135]
Ein bedeutendes Fest ist dasjenige des Hauspatrons, das am 13. Juli stattfindet. Obwohl es ein wichtiges christliches Fest ist, hat es seine Wurzeln in der vorchristlichen Ahnenverehrung.cite-ref-stammesleben-39-11[38] Die Vermischung von vorchristlichen mit katholischen BrÀuchen ist hÀufig. So wurde in Kelmend die kinderfressende DÀmonin Kore bei der Osterprozession symbolisch verbrannt.cite-ref-mythology-136-1[133] Auch Aberglaube ist nebst den heidnischen BrÀuchen weit verbreitet.cite-ref-musaj-139-0[136]
Ein bedeutendes Folklorefest ist der Logu i Bjeshkëve, das alljÀhrlich im August in Kelmend am Qafa e Bordolecit stattfindet. Es wird gegessen, getanzt und Musik gemacht. Eine junge Frau wird jeweils zur Miss Bjeshkëve gewÀhlt.cite-ref-140[137]cite-ref-141[138]
Literatur
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âą Jovan CvijiÄ: Ledeno doba u Prokletijama i okolnim planinama. [Die Eiszeit im Prokletije und den umliegenden Gebirgen]. In: Glas SKAN. XCI. Belgrad 1913.
âą Jovan CvijiÄ: Eiszeitliche Vergletscherung der Gebirgsgruppen von Prokletije bis Durmitor (MaĂstab 1:200.000). In: K.u.k. MilitĂ€rgeographischen Institutes Wien. Wien 1914.
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âą Emil Gachev, Krasimir Stoyanov, Alexander Gikov: Small glaciers on the Balkan Peninsula: State and changes in the last several years. In: Quaternary International. Band 415, Nr. 1, 2016, S. 33â54.
âą Zef Gjeta: Dukagjini â Historiku, Gjeografia, Kultura, Burimet NjerĂ«zore, Materiale, Aktiviteti Ekonomik dhe MundĂ«sitĂ« e Zhvillimit. Hokatari, Tirana 2008.
âą Milovan MilivojeviÄ, Ljubomir MenkoviÄ, Jelena ÄaliÄ: Pleistocene glacial relief of the central part of Mt. Prokletije (Albanian Alps). In: Quaternary International. Band 190, Nr. 1, 1. November 2008, S. 112â122, doi:10.1016/j.quaint.2008.04.006.
âą Franz Nopcsa: Geographie und Geologie Nordalbaniens. Institutum Regni Hungariae Geologicum, Budapest 1929.
⹠SNV Netherlands Development Organisation (Hrsg.): Prokletije ~ Bjeshkët e Nëmuna. Biodiversity and Cultural Heritage. Expeditio, Kotor 2012, ISBN 978-9940-621-00-1 (academia.edu [abgerufen am 22. September 2013]).
âą SNV Netherlands Development Organisation (Hrsg.): Prokletije | BjeshkĂ«t e NĂ«muna â priroda i turizam | natyra dhe turizmi | nature and tourism. BroschĂŒre, o. n. A. (bjelasica-komovi.me (PDF; 12 MB) auf bjelasica-komovi.me).
âą Christian Zindel, Barbara Hausamman: WanderfĂŒhrer Nordalbanien â Thethi und Kelmend. Huber, MĂŒnchen 2008, ISBN 978-3-940686-19-0.
Weblinks
Commons
: Prokletije
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Albanische Alpen
â ReisefĂŒhrer
âą Albanian-Alps.al (Touristeninformation auf Albanisch und Englisch)
âą Summitpost.org (englisch)
âą Internationales Projekt Balkans Peace Park (englisch)
âą Komuna Kelmend (albanisch, englisch)
âą Peter-Hugo Scholz: Entdeckungstouren in den Albanischen Alpen, Magazin Bergauf-Bergab (2011), Bayerischer Rundfunk (BR), abgerufen am 30. September 2019
Anmerkungen
cite-note-29Anmerkung 1. â Name gemÀà Gjeografia fizike e ShqipĂ«risĂ« (Tirana 1990); es finden sich auch die Bezeichnungen Biga e Gimajt, der meist mit einer Höhe von 2231 m ĂŒ. A. verzeichnet ist, sowie auf albanischen Karten Biga e ShalĂ«s mit 2230 m ĂŒ. A.
cite-note-119Anmerkung 3. â GemÀà Bernhard Bauer (1930), Rudolf Leutelt (1932) und Tone Wraber (Planinec botanik na Maji e JezercĂ«s. In: Planinski vestnik. Planinska zveza Slovenije, 2000) wurde ĂŒber die italienischen Expeditionen nie ein Bericht publiziert.
Einzelnachweise
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cite-note-55. â Gerhard Gesemann: Heroische Lebensform: Zur Literatur und Wesenskunde der balkanischen PatriarchalitĂ€t. Wiking Verlag, Berlin 1943.
cite-note-66. â Edith Durham: High Albania. London 1909 (library.upenn.edu).
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cite-note-8179. â Edlira Sulejmani: Prokletije, (Bjeshket e Namuna), memorandum between Albania and Kosovo. In: Albanian Screen. 29. MĂ€rz 2013, archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 27. September 2013; abgerufen am 22. September 2013 (englisch): âAlbania and Kosovo have signed a cooperation memorandum on the Prokletije (Bjeshket e Namuna), as one of the parks that will soon become regional.â
cite-note-8280. â Hanns Kirchmeir, Anna Kovarovics (Hrsg.): âPrimeval Beech Forests of the Carpathians and Other Regions of Europeâ as extension to the existing Natural World Heritage Site âPrimeval Beech Forests of the Carpathians and the Ancient Beech Forests of Germanyâ (1133bis). Nomination Dossier to the UNESCO for the Inscription on the World Heritage List. Klagenfurt/Wien Januar 2016, S. 21 (unesco.org [PDF; abgerufen am 8. August 2017]).
cite-note-8381. â Plani i Menaxhimit per Parkun Natyror Rajonal âNikaj-MĂ«rturâ. (PDF) 2014, archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 12. Juni 2018; abgerufen am 31. Mai 2020 (albanisch). Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemÀà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.kqk.gov.al
cite-note-8482. â Rregullore per Ruajtjen, administrimin dhe funksionimin e Parkut Natyror Rajonal âNikaj-Merturâ. (PDF) Komuna Lekbibaj, 2014, abgerufen am 31. Mai 2020 (albanisch).
cite-note-8583. â Ligj Nr. 81/2017 pĂ«r Zonat e Mrbojtura. (PDF) S. 39, abgerufen am 27. November 2023 (albanisch).
cite-note-8684. â Parku Natyror Lugina e ShalĂ«s. In: Agjensia KombĂ«tare e Zonave tĂ« Mbrojtura. Abgerufen am 27. November 2023 (albanisch).
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